Fachgespräch Textil-Bekleidung-Leder
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Im Rahmen des Projekts ZUWINS fand am 11. November 2010 das erste Treffen zwischen den tschechischen und österreichischen GewerkschaftsvertreterInnen im Bereich Textil-Bekleidung-Leder statt. Im engen Kreis tauschten sich die Vorsitzenden der Grundorganisationen in Nová Mosilana, Josef Seibel und Hartmann-Rico, mit SekretärInnen der PRO-GE aus. Ziel dieses Treffen war es, in Zukunft einen gemeinsamen, sinnvollen Weg für diese spezifische Branche zu finden. "Dass sich die tschechischen und österreichischen BetriebsrätInnen, die einen Standort in beiden Ländern haben, an einen Tisch setzen und grenzüberschreitend über die Erfahrungen aus ihrem eigenen Betrieb sprechen ist zwar eine grosse Herausforderung aber auch sehr sinnvoll", so Regionalsekretär Miloš Konečný im Gespräch mit dem Vorsitzenden der Grundorganisation Josef Seibel.
Die tschechische Gewerkschaft Textil-Bekleidung-Leder (TOK) wurde von Libor Břenek, dem Vorsitzenden der Grundorganisation Nová Mosilana und Regionalratsmitglied der ČMKOS, vorgestellt. Seit 1990 gibt es in der Gewerkschaft TOK große Veränderungen. "Damals hatten wir 120.000 Mitglieder. Zur Zeit sind es nur noch 6.650 Mitglieder von insgesamt 440.000 Beschäftigten. Wir haben auch nur noch sechs hauptamtliche BezirkssekretärInnen, die überall sein müssen wo es Probleme gibt und auch bei Kollektivvertragsverhandlungen dabei sind", beschreibt Břenek die aktuelle Situation.
"In Österreich haben wir in der Branche Textil-Bekleidung-Leder von insgesamt 45.000 Beschäftigten rund 12.000 Mitglieder", informiert Gerald Kreuzer, Regionalsekretär der PRO-GE, über die Lage in Österreich. "Unsere Strukturen erstrecken sich über alle neun Regionen Österreichs. Auch wenn sich durch die Globalisierung die Erzeugung immer mehr nach Osten verschoben hat, soll man nicht denken, dass es bei uns gar keine Beschäftigten mehr in diesem Bereich gibt."
Jene Firmen, die es am heimischen Markt noch existieren, haben sich meist spezialisiert, womit es ihnen gelingt, konkurrenzfähig zu bleiben. Die Branche Textil-Bekleidung-Leder ist sehr spezifisch. Zwar gibt es keine SaisonarbeiterInnen oder PendlerInnen, dafür aber multinationale Unternehmen mit Standorten in verschiedenen Ländern und unterschiedlichen Arbeitsbedingungen in jedem Land. Deshalb ist gerade hier die Vernetzung auf multinationaler Ebene wichtig. Auf Grund der Produktionsverlagerung in den Osten gibt es kaum Kontakte zwischen österreichischen und tschechischen Firmen. Allerdings wird ein schwacher Trend zur Rücksiedelung der Erzeugung nach Europa registriert. Gründe dafür könnten Sprachbarrieren und die steigenden Kosten für Transport und Löhne sein. "Die Vernetzung der Gewerkschaften ist sehr wichtig, damit wir alle in der Erzeugungskette vertreten können - von den MarketingmitarbeiterInnen in Europa bis zu den LagerarbeiterInnen in Afrika", waren sich die TeilnehmerInnen einig.
Oto Baďuřík, Europarat und Vorsitzender der Grundorganisation Hartmann-Rico, hob die Bedeutung des Verhaltungskodex hervor: "Wir importieren Waren aus der ganzen Welt, zum Beispiel auch aus Pakistan, wo Kinderarbeit noch ein großes Problem ist. Mit der Unterzeichnung dieses Kodex stellen wir uns gegen jegliches gesetzeswidrige Verhalten von Firmen, unterstützen aber auch den fairen Wirtschaftswettbewerb."
Nach einer regen Diskussion tauschten sich die TeilnehmerInnen noch über die Unterschiede in den Kollektivverträgen in Tschechien und Österreich aus. In Tschechien werden Kollektivverträge nur auf Betriebsebene ausverhandelt, in Österreich gilt ein Kollektivvertrag für alle in der Branche. Um die Unterschiede in der Gewerkschaftsstruktur und im Arbeitsrecht besser zu verstehen, wurde vereinbart, 2011 ein Seminar für BetriebsrätInnen zu veranstalten.
Zum Abschluss besuchten die TeilnehmerInnen noch die Firma Hartmann-Rico, die Sanitär- und Verbandstextilien erzeugt. Die Firma beschäftigt in Tschechien in drei Betrieben rund 1.370 ArbeitnehmerInnen und ist zu hundert Prozent in deutscher Hand.