Frauenkonferenz

Frauenkonferenz  -  „Frau in der EU und die Rolle der Gewerkschaften“

Am 11.1.2011 trafen sich im Festsaal der AK Niederösterreich 50 interessierte Frauen aus Österreich und der Tschechischen Republik, um über gemeinsame Probleme zu sprechen und die Situation der Frauen im internationalen Vergleich – mit Schwerpunkt Tschechische Republik und Österreich - zu analysieren.

Alle Teilnehmerinnen wurden von Sabine Tastel, ÖGB Regionalsekretärin Wienerwald West, herzlich willkommen geheißen. Kollegin Tastel moderierte die Veranstaltung. Lucie Kratochvílová, Koordinatorin des Projektes ZUWINS, stellte das Projekt vor, zog Bilanz über die vergangenen Aktivitäten der letzten zwei Jahre und betonte, dass die Themen Frauen und Netzwerkbildung von Frauen zu wichtigen Anliegen des Projektes gehören.

Der nachfolgende Beitrag war der Situation der Frauen im europäischen Vergleich gewidmet. Martina Culjak, Fachexpertin der ÖGB – Bundesfrauenabteilung, gab einen Überblick über die Gleichstellungspolitik der Europäischen Union. Trotz der Tatsache, dass Verpflichtungen zur Lohngleichheit von Frauen und Männern bereits in den Gründungsverträgen verankert sind, können  Frauenrechte häufig erst gerichtlich erkämpft werden. Gewerkschaften leisten einen entscheidenden Beitrag zur Weiterentwicklung der Gleichstellung („gender mainstreaming“ in der Kollektivvertragpolitik), jedoch sind Frauen unterrepräsentiert, sowohl als Mitglieder als auch in den Gewerkschaftsstrukturen.  Trotz der Arbeit, die die Europäische Union bezüglich der Gleichstellung von Männern und Frauen geleistet hatte, ist die Einkommensschere immer noch vorhanden: im EU Vergleich verdienen Frauen um 17,8 Prozent weniger als ihre männlichen Kollegen. Eine gute Ausbildung spielt dabei offensichtlich keine Rolle, denn 59 Prozent der Akademikerinnen in der EU sind weiblich.

Der nächste Vortrag hatte die Situation der Frauen in Österreich zum Thema. Mag. Eva-Maria Florianschütz, Landesfrauensekretärin ÖGB NÖ, begann ihren Vortrag mit einem Zitat der Frauenministerin Gabriele Heinisch-Hoschek: „Frauen sind gebildet, flexibel, jedoch an der Spitze kaum vertreten“. Auch in Österreich verdienen Frauen, je nach Berechnungsmethode, bis zu 25 Prozent weniger als Männer. Dies hat mehrere Gründe. Frauen sind oft in den Niedrigstlohnbereichen vertreten (z.B. Dienstleistungen, Pflegepersonal), ihre Arbeitszeiten sind durch Familie meistens begrenzt. 67,4 Prozent der Frauen im Alter von 25-49 Jahren  mit Kindern unter 15 Jahren sind teilzeitbeschäftigt. Elternschaft führt oft zu Schwierigkeiten beim Wiedereinstieg in die Erwerbsarbeit: 36,3 Prozent der Frauen sind noch 32 Monate nach der Geburt ohne Beschäftigung. Zum Nachdenken brachte uns ein Zitat seitens des Rechnungshofes: „Ökonomische Analysen haben ergeben, dass sich mehr als die Hälfte des Lohnunterschiedes nicht aufgrund unterschiedlicher sozialer und beruflicher Merkmale von Frauen und Männer erklären lässt (….) Die verbleibenden 18,1 Prozent des Lohnunterschiedes können nur mehr aus der Tatsache resultieren, dass „Frau eine Frau ist“.“

Frau Hana Machátová vom Komitee für Gleichstellung von Männer und Frauen machte uns mit aktuellen Problemen von Frauen in der Tschechischen Republik bekannt. So sind auch hier die häufigsten Problemgebiete: Situation  am Arbeitsmarkt, Stereotypen, wenig Frauen in den führenden Positionen, schwierige Vereinbarung von Privat- und Arbeitsleben, sowie  Gehaltsunterschiede (im Jahre 2008 erreichten nur 74 Prozent der Frauen das gleiche Bruttogehalt wie ihre männlichen Kollegen). Die Situation ist zwar  in den Branchen mit Kollektivvertrag etwas besser, aber auch dort verdienen Frauen deutlich weniger. Gerade berufstätige Mütter haben mit vielen Problemen zu kämpfen. Im europäischen Vergleich sind die Arbeitszeiten in Tschechien sehr lang, Kinderbetreuungsplätze sind nicht genügend vorhanden und dazu  kommt die oft  mangelnde Bereitschaft seitens des Arbeitgebers Frauen entgegen zu kommen und ihre Arbeitszeiten anzupassen. Die neue Regierung zeigt sich auch nicht gerade familienfreundlich: ab 1.1.2011 wurden unter anderem Familienbeihilfe und Geburtsgeld reduziert. In der Tschechischen Republik sind Frauen selten in den führenden Positionen zu finden, am deutlichsten ist diese Tatsache am Beispiel der Regierung zu sehen: von 200 Abgeordneten sind nur 45 Frauen, unter 27 Senatoren befinden sich nur 4 Frauen… Abschließend  stellte Frau Machátová die Arbeit des Ausschusses für Gleichstellung von Männern und Frauen bei der Tschechisch-mährischen Konföderation der Gewerkschaftsbünde vor. Da Frauen 45,5 Prozent der Mitgliedschaft bilden, möchte das Komitee vor allem mehr Interesse für Frauenprobleme wecken, die Stereotypen betreffend der traditionellen Rollenaufteilung abbauen und zur Durchsetzung von gender mainstreaming in allen Prozessen beitragen, sowie Bildung in diesem Bereich fördern.

Die Konferenz zeigte, dass die Situation der Frauen in beiden Ländern schwierig ist und stimmte alle nachdenklich. Aber solange es engagierte Frauen gibt, denen die Lage nicht egal
ist, besteht die Hoffnung, dass auf Ideen und Vorschläge auch Taten folgen werden.