Seminar
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Tschechisches Ausbildungssystem und betriebliche Interessenvertretung in Tschechien
Am 29. Juni 2011 besuchten die Lehrlinge der Landesberufsschule Amstetten mit ihren Lehrern, sowie Vertretern der PRO-GE und OS KOVO die Firma Znojemské strojírny a.s. in Znojmo.
Die Firma wurde 1992 gegründet und 150 erfahrene und hochqualifizierte Mitarbeiter setzen hier eine mehr als fünfzigjährige Maschinenbautradition in Bezirk Znojmo fort. Die Haupttätigkeit des Unternehmens ist die Herstellung von Maschinenbaukomponenten durch Zerspanung von Metallen aufgrund von Kundenzeichnungen. Das Unternehmen ist spezialisiert auf präzise und technisch anspruchsvolle Teile, die in kleinen und mittleren Serien produziert werden. Kleinste Teile zum Beispiel für Nähmaschinen, aber auch größere Teile für die Flugzeugindustrie werden hier hergestellt. Weitere Tätigkeiten umfassen Montage und Konstruktionsarbeiten sowie Handelstätigkeit in verschiedenen Bereichen der Industrieproduktion. Geschäftspartner sind namhafte Produktionsunternehmen und Handelsorganisationen aus ganz Europa.
Nach dem Mittagessen erläuterte Mgr. Sylva Krčálová, Rechtsberaterin des Projektes ZUWINS, den Lehrlingen das tschechische Bildungssystem. Die Länge der allgemeinen Schulpflicht ist in der Tschechischen Republik gesetzlich geregelt. Die Bürger haben das Recht auf kostenlose Bildung in den Haupt- und Mittelschulen und bei entsprechender Befähigung auf den Hochschulen. Im tschechischen Bildungssystem gibt es vier Hauptstufen: Der Kindergarten wird meist ab 3 Jahren in Anspruch genommen. Für die 6- bis 15-Jährigen besteht dann Schulpflicht. Sie besuchen die zweistufige Hauptschule. Die Mittelschule bietet allgemeine und fachliche Bildung und soll auf den Besuch der Hochschule vorbereiten.
Die Hochschulen sind die höchsten wissenschaftlich und künstlerisch ausbildenden Institutionen. Für Kinder bis 3 Jahre werden Kinderkrippen angeboten, diese sind allerdings nicht Teil des Schulsystems, sondern unterliegen dem Gesundheitsministerium. Finanziert wird das Bildungssystem in Tschechien hauptsächlich aus öffentlichen Mitteln. Zusätzliche Mittel stellen die Betreiber der Schulen, wie Gemeinde oder Kreis aus eigenem Budget zur Verfügung. Andere Schulen können unter bestimmten gesetzlichen Auflagen eingerichtet werden, diese Schulen können auch kostenpflichtig sein.
Die Lehre wird in der Tschechischen Republik nicht in einem dualen Ausbildungssystem absolviert. Dieser elementare Unterschied zu Österreich sorgte unter den mitgereisten Lehrlingen für lebhafte Diskussionen. Tschechische Lehrlinge erlernen ihren Beruf nur in Schule und Schulwerkstatt. Entsprechend erhalten sie auch keine Lehrlingsentschädigung und sind finanziell bis zum Eintritt in das Berufsleben von den Eltern abhängig.
Zum Abschluss informierte die Betriebsratvorsitzende OS KOVO in der Firma Znojemské strojírny, Jana Neulingerová, über Betriebliche Interessenvertretung in Tschechien und erläuterte die Struktur und Organisation der tschechischen Gewerkschaften.


