Seminar - Kampagnenarbeit und Mitgliederwerbung
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Seminar - Kampagnenarbeit - Mitgliederwerbung der Jugendlichen
Am 2. Februar 2011 haben sich in Znaim (Tschechien) die Jugendvertreter der PRO-GE mit VertreterInnen der Jugend aus Tschechien und Slowakei getroffen, um untereinander die gewerkschaftlichen Positionen zu Jugendthemen auszutauschen.
Österreich
Zunächst stellte die PRO-GE die Gewerkschaftsstruktur in Österreich vor. Der Dachverband ÖGB mit ca. 1,2 Millionen Mitgliedern vereint sieben Gewerkschaften, wobei eine davon die Produktionsgewerkschaft (PRO-GE) mit rund einer Viertel Million Mitgliedern ist. Jede österreichische Gewerkschaft, ebenso wie der Dachverband, hat eine eigene Jugendorganisation. Vierzig Prozent aller jugendlichen Gewerkschaftsmitglieder österreichweit entfallen auf die PRO-GE Jugend. Die Jugendlichen und Lehrlinge werden von JugendsekretärInnen in den neun Bundesländern betreut. In Betrieben kann ab fünf jugendlichen ArbeitnehmerInnen ein Jugendvertrauensrat gewählt werden. 2010 ist es der PRO-GE Jugend gemeinsam mit anderen Gewerkschaften gelungen, das aktive und passive Wahlalter für Jugendvertrauensräte in Betrieben gesetzlich zu erhöhen, wodurch mehr Mitbestimmung garantiert wird.
Hauptaufgaben der PRO-GE Jugend sind: Rechtsberatung, die Lehrlinge beim Lernen und bei den Abschlussprüfungen zu unterstützen, das Einhalten der Kollektivverträge zu garantieren, Forderungen bei den Kollektivvertragsverhandlungen einzubringen, SekretärInnen und JugendvertrauensrätInnen weiterzubilden, Freizeitaktivitäten zu organisieren und vieles mehr.
Slowakische Republik
Die Fachgewerkschaft der Chemiearbeiter ECHOZ aus der Slowakischen Republik berichtete, dass nach der sanften Revolution im Jahr 1989 viele Mitglieder aus den Gewerkschaften ausgetreten sind. Am 1.1.1993 ist die Slowakische Republik entstanden und hat eine rechtsorientierte Regierung.
Nach dem Jahr 2002 ist ein neues Arbeitsgesetz in Kraft getreten. Weiters gab es Änderungen im Kollektivvertragsgesetz und die Mehrwertsteuer wurde auf 19 Prozent erhöht. Die Slowakei ist der NATO und der EU beigetreten. Seit 2008 gilt der Euro als Zahlungsmittel und 2010 wurde die MwSt auf 20 Prozent erhöht. Das Arbeitszeitgesetz wird laufend geändert. Die Arbeitslosigkeit liegt bei 13 Prozent, der Mindestlohn bei 317 Euro, der Durchschnittslohn bei 788 Euro.
Der slowakische Dachverband KOZ (Konföderation der Gewerkschaftsverbände) vereint 28 Fachgewerkschaften mit insgesamt rund 30.000 Mitgliedern. Die hohe Zahl an Fachgewerkschaften ist ebenso problematisch wie die Tatsache, dass die Mitgliedsbeiträge nicht zum Verband gelangen, sondern in den Basisorganisationen der Betriebe bleiben. Den Jugendrat, in dem JugendvertreterInnen der stärksten Gewerkschaften wie der Metaller, Chemiker, Gesundheitspersonal etc. vertreten sind, gibt es seit 1999.
Derzeit läuft eine Unterschriftenaktion gegen weitere Änderungen im Arbeitszeitgesetz. Auch um ein positives Image der Feiertage wie 1. Mai (Tag der Arbeit) und 8. März (Internationaler Frauentag) ist man ständig bemuht, denn dieses haftet noch immer ein kommunistischer Geruch an.
Tschechische Republik
In der Tschechischen Republik ist es nach der Wende ähnlich verlaufen wie in der Slowakei, berichtete Tomáš Valášek, Vertreter der Gewerkschaft OS KOVO. Der tschechische Dachverband ČMKOS (Tschechisch-Mährische Konföderation der Gewerkschaftsverbände) hat ca. 450.000 Mitglieder in 32 Fachgewerkschaften. Statt eine gemeinsame Strategie zu verfolgen, herrscht große Rivalität zwischen den einzelnen Gewerkschaften.
Der Jugendrat besteht aus ein paar ambitionierten Jugendlichen, die ein schwaches Beratungsorgan ohne Finanzmittel und Freistellung bilden. Beim ČMKOS erhalten sie keine große Unterstützung, weshalb die Jugendlichen neue Wege über die Fachgewerkschaften gehen möchten.
Kampagnenarbeit
Vorrangiges Ziel des Seminars war es, den Jugendgewerkschaften der Nachbarländer einen Leitfaden für Kampagnenarbeit mitzugeben. PRO-GE Jugendvertreter Bruno Kamraner und Sascha Ernszt berichteten bis in die Abendstunden über ihre Erfahrungen in diesem Bereich. Kampagnearbeit beginne bei einem einwöchigen Treffen aller JugendvertreterInnen (Bundesjugendvorstand), wo in kleinen Arbeitsgruppen Ideen für eine Kampagne erarbeitet werden. Das Finanz- und Zeitkonzept wird der Geschäftsführung zur Bewilligung vorgelegt und die Kampagne anschließend mit der Abteilung für Öffentlichkeitsarbeit und dem Grafiker besprochen. "Weil sonst deine Mäuse flöten gehen" ist die aktuelle Kampagne der PRO-GE Jugend, in der es darum geht, die Lehrlinge an der betrieblichen Förderung für ihre Prüfungsleistungen zu beteiligen. In 21 Kollektivverträgen ist das bereits gelungen. "Wir haben Unterschriftskarten verteilt, nicht nur unter Lehrlingen in den Betrieben, sondern auch auf der Straße und haben bis jetzt 10.000 Unterschriftskarten eingesammelt", so die beiden Jugendvertreter. In den Betrieben hängen Plakate zur Kampagne, auf der Website der PRO-GE Jugend gibt es Hintergrundinfos.
Wichtig ist auch der Kampagnenabschluss, denn ohne diesen sinkt die Motivation und das Engagement der Beteiligten. Wenn die Kampagne erfolgreich gelaufen ist, muss das auch medial kommuniziert werden. Zur Sichtbarmachung der Tätigkeiten hat die PRO-GE Jugend auch noch andere Mittel: Vorträge an den Wiener Schulen, öffentliche Infoveranstaltungen, den Infobus, Werbegeschenke usw.
In beiden anderen Nachbarländern gibt es leider kein duales Ausbildungssystem mehr, also hat die Gewerkschaft keine Möglichkeit, an die Schüler heranzutreten. Erst wenn sie als junge MitarbeiterInnen im Betrieb anfangen, werden Sie das erste Mal mit der Gewerkschaft bekannt gemacht.
Eine große Hilfe für die JugendgewerkschafterInnen aus Osteuropa ist die Friedrich Ebert Stiftung, die mit finanziell und organisatorisch unterstützt. Zuzana Stapata aus der Slowakei ist Vertreterin dieser Stiftung. Nach einer Präsentation der Stiftungsarbeit hat sie einige Ideen zur Finanzierung von Kampagnen in Tschechien und der Slowakei vorgeschlagen.
Als nächster Termin für ein Treffen wurde der 2. bis 3. November 2011 vereinbart.