Seminar - Tschechisches Arbeitsrecht
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Seminar "Tschechisches Arbeitsrecht" und Betriebsbesichtigung
Am 8. Juni 2011 besuchten BetriebsrätInnen der PRO-GE die japanische Firma DAIKIN, die Klimaanlagen erzeugt. Die Firma wurde 1924 in Ósaka in Japan gegründet und im Jahr 2006 die schon zweite Erzeugungshalle in Tschechien erbaut.
Die junge Brünner Firma hat 1000 MitarbeiterInnen und erzeugt zu 90 Prozent die Bestandteile für das andere tschechische Werk in Plzeň.
Nach der Betriebsbesichtigung hatten die BetriebsrätInnen die Möglichkeit, mit GewerkschaftsvertreterInnen aus dem Betrieb zu diskutieren. Besprochen wurden dabei Themen wie Lohn, Arbeitszeit oder Sicherheit am Arbeitsplatz. Heftige Diskussionen gab es schließlich beim Thema Leiharbeit, denn rund 60 Prozent des Personals sind ZeitarbeiterInnen. Nur 40 Prozent sind als Stammpersonal fix im Unternehmen beschäftigt.
"Dieses zunehmende Problem gibt es fast in jedem Betrieb" sagte Jaromir Smažil, Gewerkschaftsvorsitzende bei DAIKIN. "Damit muss aber global gehandelt werden, einzelne Länder bringen hier nicht viel zusammen, wir müssen ganz Europa einschalten!"
Der nächste Tag hat mit einem Vortrag über das tschechische Arbeitsrecht angefangen. Mag. Sylva Krčálová hat die wichtigsten Aspekte des Arbeitszeitgesetzes herausgearbeitet. So konnten die TeilnehmerInnen die gesetzlichen Unterschiede beider Länder miteinander vergleichen.
Ein wesentlicher Unterschied zwischen den beiden Ländern liegt in der Struktur und der Funktion der Gewerkschaften. Dies hat Miloš Konečný, Sekretär der Gewerkschaft Textil, Bekleidung, Leder, erläutert. In Tschechien werden Gewerkschaften zum Beispiel nur auf Betriebsebene gegründet.
Marie Jägerová, Eures-Beraterin vom Arbeitsamt in Znojmo, hat einen interessanten Vortrag über die Entwicklung der GrenzgängerInnen in den letzten 20 Jahren gehalten. Der Bezirk Znojmo ist einer der sieben Bezirke in Südmähren und mit 1590 m2 Fläche der sechstgrößte Bezirk in Tschechien. 68 Prozent der Fläche sind Agrarland. Aus diesem Grund gibt es hier wenige Möglichkeiten, ein dauerhaftes Dienstverhältnis einzugehen. Die meisten sind hier als SaisonarbeiterInnen beschäftigt.
So ist auch die Arbeitslosenrate im Sommer und Winter sehr verschieden. Im Jänner 2010 lag sie bei knapp 17 Prozent, sank im Juni auf rund 11 Prozent und stieg im Dezember erneut auf ca. 15 Porzent an.
Seit dem Fall des Eisernen Vorhanges wurde erhöhtes Interesse an Arbeit in Nachbarländer wie Österreich und Deutschland registriert. Dieses wurde auf Grund einer Arbeitsbewilligung nicht so einfach. Seit Jänner 2006 tritt das bilaterale Abkommen zwischen die Staaten in Kraft, sodass man mit Gewerbeschein oder in mangelhaften Berufen abseits der Grenze arbeiten konnte. Es wurden im Rahmen dieses Abkommens im Zeitraum Jänner 2006 bis Mai 2011, 757 Bewilligungen in ganz Tschechien verteilt, davon 304 im Bezirk Znojmo. Die häufigsten PendlerInnenberufe sind KellnerIn, Koch/Köchin, HilfsarbeiterIn, PflegerIn und MechanikerIn.